Vater-Sohn-Abenteuer im Engadin: Mein Erfahrungsbericht

Holy moly, das war aber mal ein Abenteuer! Gemeinsam mit meinem sechsjährigen Sohn Elia, sowie weiteren vier Vätern und vier Söhnen, habe ich vier unvergessliche Tage im Vater-Sohn-Abenteuer-Camp im Engadin verbracht.

 

Ich war mir bewusst, dass es abenteuerlich werden würde. Dass es aber so einmalig, eindrücklich, herausfordernd, intensiv und bereichernd sein sollte, hatte ich wirklich nicht erwartet. 

 

Dieses Abenteuer in drei Worten: echt, stark und gefühlvoll. Es hat mich als Mensch und als Vater einen wichtigen Schritt weiter gebracht und die Beziehung zu meinem Sohn gestärkt. Und das nachhaltig.

 

 

 

Zwei Herzen – ein Projekt

Gemeinsam mit Cla Mosca hatte ich dieses Abenteuer geplant und organisiert. Cla ist der erste Snowboard-Weltmeister, Engadiner, zweifacher Daddy und ein echter Outdoor-Man. Durch unsere Unterengadiner Wurzeln und unsere Herzensprojekte sind wir ins Gespräch gekommen.

 

Mit seinem «Explore The Man Inside» will Cla eine Bewegung entwickeln, die moderne Männer in ihre männliche Heimat führt. Von der egoistisch und materiell getriebenen Aussensicht zu einem echten, starken und gefühlvollen Leben von Innen heraus. 

 

Das passt natürlich hervorragend zu meiner DaddyCool-Initiative. Denn Freude und Gelassenheit als Vater haben sehr viel damit zu tun, sich mit sich selber und seinem eigenen (Innen-)Leben auseinander zu setzen.

 

Aus unserem regelmässigen Austausch ist dieses erste Abenteuer Vater & Sohn entstanden. Ohne Strategie und viel Planung, aber mit einer grossen Vision und sehr viel Herz.

 

Das Motto? Einfach mal machen – und lernen. Und dabei Erlebnisse schaffen, die Vätern und Söhnen eine einzigartige Erfahrung ermöglicht.

 

Und genau das ist passiert.

 

 

 

Ich bin dann mal raus

Eine Auszeit ist nichts Neues. Und eigentlich wissen wir, dass uns Auszeiten gut tun. Eigentlich.

Denn wir nehmen uns viel zu selten davon. Ein permanentes Hetzen und Funktionieren – egal ob beruflich oder privat – ist auf Dauer keine gesunde Option. 

 

Wir brauchen Ruhe. Und zwar regelmässig.

 

Deshalb sind ICH-Zeiten und Auszeiten nicht nur gut, sondern ein Muss. 

 

Natürlich nur, wenn einem Qualität, Freude und Gelassenheit im Leben wichtig sind. Mir jedenfalls sind sie es. 

 

Auch deshalb bin ich so froh und dankbar, dass ich diese ganz besondere Auszeit erleben durfte.

 

Raus aus dem Alltag. Raus aus den Gewohnheiten. Raus aus den Problemen. Raus aus der Komfortzone.

Rein ins Erleben. Rein ins Fühlen. Rein ins Sein.

 

Das ist in etwa das, was in diesen Tagen passiert ist. 

 

Unsere Location? 1700 Meter über Meer, knapp unterhalb der Schneegrenze, zwischen den kleinen Dörfern Vnà und Tschlin, inmitten der kraftvollen Natur des Unterengadins. 

 

Auf einem Maiensäss, das auf das Wesentliche reduziert ist. Kochen, Schlafen, Essen. Alles andere war Teil der natürlichen Umgebung.

 

Holz sammeln und hacken. Feuer machen. Reden, schweigen und staunen. Waschen am eiskalten Brunnen. Kacken unter freiem Himmel. 

 

Das Spannende dabei: Für die Kids war das ganz natürlich, aufregend und cool – die Väter mussten sich aber immer wieder überwinden. Mich inklusive. 

 

Konkretes Beispiel: die Übernachtung im Tentipi-Zelt. Es war witzig, dass die Väter ihre Söhne immer wieder fragten, ob sie denn wirklich draussen übernachten wollen. In der versteckten Hoffnung, doch noch ein Nein zu hören und die Nacht auf der Matratze in der Hütte verbringen zu können. Mich wieder inklusive.

 

Doch nichts gewesen. Die Söhne blieben stark. Es hiess ja schliesslich Abenteuer und nicht Ferien. Das hat uns eine Nacht ermöglicht, die uns in Erinnerung bleibt. Und als gemeinsames Erlebnis die Vater-Sohn-Beziehung stärkt.

 

Genau diese Natürlichkeit, Einfachheit und Überwindung haben es ausgemacht, dass diese Auszeit zu einem solchen Erlebnis wurde.

 


Weniger ist mehr. Punkt.

Ich rede für alle beteiligten Papas, wenn ich sage, dass diese Reduktion auf das Wesentliche ein echter Luxus war. Ja, wir mussten über unseren Schatten springen. Ja, wir hatten kalt. Und ja, wir haben schlecht geschlafen.

 

Doch was wir dafür erhalten haben, ist mehr Wert als ein WC, eine warme Dusche und eine Tempur-Matratze. 

 

Wieder einmal zu spüren, dass man eben doch nicht viel braucht, um es gut zu haben. Zu merken, dass die Natur unglaublich viel Energie gibt. Zu fühlen, dass Ruhe wirklich Kraft hat. Zu erleben, dass ein selbstgemachtes Feuer fasziniert und stärkt. Zu verstehen, dass es um gegenseitigen Austausch und Beziehung zueinander geht.

 

Das gab uns ein Gefühl von Freiheit, Dankbarkeit und Glück. 

 

Unterstützt wurde dies von der Art der Leitung, die Cla und ich im Vorfeld definiert hatten. Wir haben bewusst auf ein strukturiertes Programm verzichtet. Wir haben entschieden, anhand der Gruppe und aus dem Moment zu agieren.

 

Ganz nach dem Motto: «Trust the process». 

 

So ist ein Abenteuer entstanden, das einmalig und stimmig war. Wir waren gezwungen, im Hier und Jetzt zu sein. 

 

Ohne sich Gedanken zu machen, was wohl der nächste Punkt auf der Agenda bringen würde. Sich einfach auf den Moment einlassen. Sich mit sich selber und den anderen beschäftigen. Einfach sein.

 

Achtsamkeit pur! Was für ein Gefühl.

 

Diese Präsenz bekamen auch die Kids zu spüren. So wie wohl selten oder nie im Alltag.

 

Das Resultat? Schöne und herzliche Momente zwischen Vater und Sohn. 

 

Dabei kam mir eine erstaunliche Erkenntnis: Alle Papas hatten fast nie das Smartphone in der Hand. Ok, um ein paar Fotos zu machen und mal zu Hause anzurufen. Aber ansonsten blieb es in der Tasche. 

 

Und das, obwohl wir viel mehr Zeit hatten. Es gab einfach weder Verlangen noch Bedarf. Weil wir im Moment waren. Ganz bewusst. Ganz gelassen.

 

Und wer ist nun für den Stress im Alltag verantwortlich? Ganz genau, wir selber. 

 

Ja, wir hatten wirklich nicht viel. Doch wir hatten alles, was wir brauchten. Und wir hatten uns. Uns Väter. Cla, Hermann, Martin, Ramon und ich. Ein Altersspanne von 55 bis 39. Und wir hatten unsere Söhne. Elia, Janis, Nico, Livio und Thomas. Von 6 bis 12.

 

Die gegenseitige Wertschätzung und Unterstützung zu spüren war unglaublich. 

 

 

 

Gemeinsam sich selber entwickeln

Die Natur war das Eine. Die Ruhe und die Zeit das Andere. Was es aber ausgemacht hat, war die Gemeinschaft.

 

Unaufgefordert haben wir uns unterstützt. Immer und überall. Einander Halt gegeben und aufgebaut. Miteinander gelacht. Und gekämpft. Wort wörtlich. 

 

Unsere Söhne haben es uns gleich getan. Auch wenn es da anfänglich noch etwas an Rollenfindung und Revierkampf gebraucht hat, so hat sich das im Verlauf der Tage gelegt. 

 

Sie haben sich zu einem Jungs-Rudel entwickelt, das gemeinsam, fair und spielerisch miteinander Zeit verbringt.

 

Wir mussten uns überwinden, um unsere Komfortzone zu verlassen. Vor allem wir grossen Jungs. Immer wieder aufs Neue. Cla hat uns dafür den Rahmen gesichert.

Der gegenseitige Austausch und Support hat angespornt und motiviert, sich seinen eigenen Herausforderungen zu stellen. Und zu meistern.

 

Am letzten Tag gab es dann den Höhepunkt, als uns ein Freiluftbad im 5-Grad-Brunnen erwartet hat. Huuch, war das schrumpfend frisch. Auch wenn ich jeden Morgen kalt dusche, war das für mich eine Challenge. Die ich gemeistert habe. Gemeinsam mit den anderen. Und mit meinem Sohn Elia. Was mein Papaherz zum Hüpfen gebracht. Vaterstolz pur.

 


Die unterschiedlichen Komfort-Hürden und Mutproben haben dazu geführt, zu wachsen. Immer wieder. Jeder für sich und gemeinsam als Gruppe.

 

Am besten beschreibt das Martins Aussage, die er zum Schluss gemacht hat: Zehn unterschiedliche und unbekannte Menschen kommen an einem Ort zusammen, erleben gemeinsame Momente, und sind nach vier Tagen für immer miteinander verbunden. Schlicht unglaublich. 

 

Einfach krass. Oder eben ein echtes, starkes und gefühlvolles Abenteuer...

 

 

Und jetzt?

Jeder von uns, Vater wie Sohn, nimmt etwas für sich und für die eigene Beziehung mit nach Hause.

 

Schöne Momente, tolle Erfahrungen, unvergessliche Erinnerungen. Aber auch konkrete Erlebnisse, die wir in unser normales Leben übertragen.

 

Bei Elia und mir ist es der gemeinsame Abenteuer-Spaziergang im Wald, der uns so tief verbunden hat.  Nur wir zwei in dieser wunderschönen Natur, das hat was mit uns gemacht.

 

Dieses gemeinsame Erlebnis werden wir in unsere reale Welt mitnehmen und weiterführen.

 

Dank dieser unbezahlbaren Erfahrung möchte ich dir als Vater noch ein paar Empfehlungen mit auf den Weg geben. Ganz egal, ob du einen Sohn oder Tochter hast.

 

Verbringe Zeit mit deinen Kids. Versuche, wenn immer möglich, präsent zu sein. Höre deinen Kindern zu. Schau sie an. Sei aufmerksam. Frag sie, was sie von dir brauchen. Spiele mit ihnen. Geniesse den Moment.

 

Geh so oft wie möglich in die Natur. Such die Ruhe. Geh in den Wald. Ob alleine oder mit deiner Familie. Hacke oder schnitze Holz. Mach Feuer. Schau ihm zu. Tanke Kraft. 

 

Nutze jede Gelegenheit, deine Komfortzone zu erweitern. Tu es wirklich. Mach Sachen, die du noch nie gemacht hast. Schaffe gemeinsame Erlebnisse. Lerne neue Menschen kennen. 

 

Überleg dir bei der nächsten Ferienplanung, was es wirklich braucht. Möglichst viel Luxus mit Kids-Club und Unterhaltung?

Oder vielleicht doch eine einfache, ruhige und möglichst natürliche Variante, die euch verbindet?

 

Vor allem: Zeig deinen Kids, wer du wirklich bist. Mit allen Stärken und Schwächen. Ohne Maske. 

 

Oder um es in Demokrits Worten zusammen zu fassen: Mut steht am Anfang, Glück am Ende...

 

 


Dieser Blogpost ist auch als Podcast verfügbar.



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Kommentare: 2
  • #1

    Melanie (Freitag, 16 Oktober 2020 16:59)

    Sehr schön geschrieben. Weiter so! Du bist am richtigen Ort.

  • #2

    Stefan (Dienstag, 20 Oktober 2020 19:46)

    Spannender Bericht und schönes Projekt. Gratulation und weiterhin viel Erfolg, Duri!